Sanft und naturnah

 

(Spalt 22.7.2003) Im Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung der Bezirkstagsgruppe und dem Kreisverband Roth beschäftigte sich Bündnis 90/DIE GRÜNEN mit Tourismus und Ausflugsverkehr in unserer Region. So stellt Sepp Daxenberger, Landesvorsitzender von Bündnis90/ DIE GRÜNEN und Bürgermeister von Waging ein Konzepte dar, wie in seiner Gemeinde Tourismus und Ökologie vereinbart werden. Seit einigen Monaten ist es beispielsweise für Gäste in Waging möglich, durch eine Vereinbarung mit der Gemeinde und der ostbayerischen Eisenbahngesellschaft kostenfrei mit dem Zug in die nächstgelegenen Städte wie z.B. Ruhpolding zu fahren. Als neuer Trend im Deutschlandtourismus sind Chipkarten in touristischen Regionen in einer durchdachten, einfachen Form gut geeignet, Ökologie und Ökonomie zu verbinden.

Klaus Schön, Mitarbeiter von der Münchener Unternehmensberatung IRS Consult AG (Aufbau namhafter Chipkartensysteme, wie die BodenseeErlebniskarte, die RuhrpottCard oder die SchwarzwaldCard etc.). stellt ein alternatives Cardmodell für as fränkische Seenland vor. Im Gegensatz zur (aus grüner Sicht nicht geeigneten und zu komplizierten) "neuen" Card im Fränkischen Seenland, kann das von Klaus Schön vorgestellte Cardmodell ein zukunftsfähiges Werkzeug für eine beständige Nachhaltigkeit im Tourismus sein.

Birgit Raab, Bezirksrätin und Wendel Burkhardt, Kreisvorsitzender des KV Roth stellen unter dem Motto „Sanft und naturnah - Ganzheitlich orientierte Tourismusentwicklung im Fränkischen Seenland“ ein Positionspapier vor. Darin heißt es: Die Entstehung und Entwicklung des "Neuen" Fränkischen Seenlandes ist eines der größten wasserwirtschaftlichen Projekte Deutschlands und das größte Bayerns des 20. Jahrhundert. In Deutschland ist der Tourismus mit einem Anteil von ca. 4,6% am Bruttosozialprodukt gleichbedeutend mit der Automobilindustrie, die einen Anteil von 5,2% am Bruttosozialprodukt erreicht (Datengrundlage 1998). Der Tourismus stellt somit einen bedeutenden Wirtschaftszweig dar, auch im Fränkischen Seenland. Um so wichtiger ist es, sich rechtzeitig Gedanken zu machen, wie die weitere touristische Entwicklung im Fränkischen Seenland so umweltschonend wie möglich gestaltet werden soll. Dabei kann es nicht um ein rein quantitatives Wachstum ohne Grenzen gehen. Dabei muss bedacht werden, dass eine große Zahl der Gäste Naherholende aus dem Städtedreieck Nürnberg-Fürth-Erlangen sind.

Bündnis 90/DIE GRÜNEN sehen Defizite in folgenden Bereichen:

Vernachlässigung des öffentlichen Personen- und Nahverkehrs

Für die Erschließung eines naturnahen und sanften Tourismus ist die Erschließung des Gebietes mit öffentlichen Verkehrsmitteln von großer Bedeutung. Statt großer Straßenbauprojekte setzen Bündnis 90/Die Grünen auf eine Stärkung des ÖPNV.

Ein attraktiver ÖPNV muss mindestens zwei Dinge glaubwürdig vermitteln:

1.) Die Gäste gelangen bequem vom Bahnhof zur Unterkunft.

2.) Die Urlauber können alle Ziele ohne Schwierigkeiten auch ohne eigenes Auto erreichen.

Der ÖPNV muss für Tagesgäste in den Fahrzeiten und in den Verbindungsmöglichkeiten attraktiver werden.

"Agieren statt reagieren"

Die einzelnen Erlebnis- und Sehenswürdigkeiten werden mehr oder weniger, jedenfalls isoliert, beworben. Was im Fränkischen Seenland weiterentwickelt werden muß, ist ein sanftes, ganzheitliches, übergreifendes Tourismuskonzept, welches sich als "Marketinginstrument" für die existierende Region begreift. Ein solches ganzheitliches Konzept ist trotz verschiedener, von einzelnen Kommunen oder privaten Trägern unternommener, hilfreicher Maßnahmen - auf die aufgebaut werden kann - nicht erkennbar.

Kooperation und Koexistenz statt Konkurrenz

Es ist an der Zeit, landkreisübergreifend an einem gemeinsamen Strang zu ziehen mit Einbindung der örtlichen Tourismusbranche.

Mehr Spielplätze für Kinder

Es fehlen genügend attraktive Spielplatzangebote für Kinder.

Ein nachhaltiger und ganzheitlicher Tourismus zeichnet sich aus:

Natur- und Kulturschätze bewahren

Natur und Erhalt einer vielfältigen Kulturlandschaft als wertvollstes Kapital der Region und des Tourismus. Die bisherige Entwicklung, das Seenland vor Masseneinrichtungen wie beispielsweise "fun-centern" zu schützen, ist fortzusetzen. Weiterhin müssen Schutz wertvoller Landschaftsteile vor Überbeanspruchung geschützt werden. Ebenso sollen die traditionellen Ortsbilder weiterhin erhalten werden. Bündnis 90/Die Grünen begrüßen ausdrücklich, dass bisher in der Region keine "Hotelburgen" genehmigt wurden. Bündnis 90 / Die Grünen treten für eine Förderung von umweltgerechter Betriebsführung in den touristischen Einrichtungen ein. Insgesamt ist auch im Seenland der Flächenverbrauch problematisch: Hier müssen Grenzen fest gesetzt werden. Bündnis 90/ Die Grünen sprechen sich gegen eine Ausweisung von Baugebieten in Feucht- und Überschwemmungsgebieten aus.

Tourismus mit den Einheimischen: Die Bedürfnisse der Einheimischen sind mit den Bedürfnissen der Gäste gleichzustellen. Bei Großveranstaltungen sind die Kosten und Nachteile für Einheimische und Natur dem Nutzen gegenüberzustellen und zu überprüfen.

Sanft und naturnah: "Bündnis 90/DIE GRÜNEN stehen für eine ganzheitliche und nachhaltige Tourismuspolitik. Sanftes Tourismusverhalten beinhaltet umweltschonende Reiseverkehrsmittel. Konkretes Ziel der "ganzheitlich orientierten Tourismusentwicklung" ist es, die Entwicklung eines Landes oder einer Region als Ganzes, und nicht in Teilbereiche differenziert, zu verstehen. Wir erkennen dem Tourismus sowohl eine ökologische, als auch eine kulturelle und soziale Verantwortung zu.